Hermann Hesse als Maler
Im Alter von vierzig Jahren, mitten im ersten Weltkrieg, hat Hermann Hesse zu malen begonnen. Es war ihm ein „Ausweg, um auch in bittersten Zeiten das Leben ertragen zu können“ und um Distanz von der Literatur zu gewinnen. „Ich habe mein Malstühlchen in der Hand“, schreibt er 1920, „das ist mein Zauberapparat und Faustmantel, mit dessen Hilfe ich schon tausendmal Magie betrieben und den Kampf mit der blöden Wirklichkeit gewonnen habe.“
Das Malen seiner „kleinen expressionistischen Aquarelle, hell und farbig, sehr frei der Natur gegenüber, aber in den Formen genau studiert“, war für Hesse eine Form der aktiven Kontemplation. In Hunderten von Bildern hat er den Dörfern, Seen und Bergen seiner Tessiner Wahlheimat seine Liebe und Dankbarkeit ausgesprochen. Von manchen seiner Malausflüge haben sich zusammenhängende Bilderfolgen und Aquarellalben erhalten.
© Volker Michels, Suhrkamp„Meine Aquarelle sind eine Art Dichtung oder Träume, sie geben von der Wirklichkeit bloß eine ferne Erinnerung und verändern sie nach persönlichen Gefühlen und Bedürfnissen“
Hermann Hesse